Über falschen Stolz und lästige Selbstzweifel

26. November 2015

von Kaliopi

„Du musst lernen, Hilfe anzunehmen, wenn du sie brauchst. Kein Mensch kann alles alleine stemmen  sagt er und schaut mich ernst an. „Dein Stolz ist hier wirklich fehl am Platz“ fährt er fort. Wie üblich stellt sich zunächst Trotz bei mir ein, die Sorte Trotz, die an eine fünfjährige kurz vor einem Schreianfall erinnert. Ich ignoriere augenscheinlich das Gesagte meines Gegenüber. „Ich schaffe das schon“ grummle ich nicht ganz so überzeugend, wie es eigentlich klingen sollte.

Neben meiner fast schon unmenschlichen Ungeduld, gehört Stolz zu meinen auffälligsten Schwächen. Stärken und Schwächen. Wie gewöhnlich vollziehe ich mein wöchentliches Ritual der gründlichen Selbstreflexion. Das imaginäre Szenario spielt sich diesmal in Form eines Bewerbungsgesprächs ab. Mein imaginärer Arbeitgeber: Ich. Zwar mag mich sehr gerne, doch gleichzeitig bin ich mein größter Kritiker. Da sitzt mein geordnetes Ich, das Ich, was den Weg zur Selbstverwirklichung kennt und kritisch mein verzerrtes Spiegelbild beäugt. Dieses strotzt nämlich nur so vor Selbstzweifel. Die Angst nicht akzeptiert zu werden. Die Angst vor dem Versagen, Angst vor Kritik, Angst nicht zu genügen. Das Spiegelbild stottert etwas vor sich hin, hat das Kommunizieren verlernt, etwas was es in jeder anderen Lebenslage so gut beherrscht. Mit hochrotem Kopf versucht dieses Spiegelbild den wirschen Worten Sinn einzuhauchen. Den chaotischen Lebenslauf zu rechtfertigen. Statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, werden oberflächliche Gedanken laut, im wüsten Kopf. Die Haltung ist alles andere als aufrecht, Gedanken, dass andere viel geeigneter für diese Position sind, vielleicht Menschen ohne Tätowierungen und irgendwie kompetenter.

In diesem Moment überschreite ich eine Grenze. Mein imaginäres Selbstrefelxionsprogramm wird unterbrochen. Ich beende es, weil ich mich schäme. Ich schäme mich dafür, dass ich mich so hinterfrage und mich so klein mache. Gleichzeitig wird dieser unbändige Stolz aktiviert und ich entscheide alles in die Hand zu nehmen und mich selber zu heilen, von diesen lästigen Zweifeln. Ich beginne mit intensiver Recherche, versuche eine kleine Expedition in die Vergangenheit zu starten, um zu schauen, wann dieses konsequente Zweifeln begann. Ich versuche mich zu motivieren rufe mir immer wieder meine Erfolge vor Augen und die Zusprüche der Menschen, die mich lieben und an mich glauben. Doch am Ende des Tages bleibt ein konstanter Erfolg aus. Egal wie viel Zuspruch, egal wie viel Recherche um den Ursprung allen Übels zu finden, an irgendeinen Punkt komme ich nicht weiter. Ich bräuchte etwas Hilfe. Man kann sich nicht selbst therapieren. Eine Tatsache die mir zwar irgendwie bewusst wird, aber nicht ganz meinen Verstand erreicht. Falscher Stolz. Ich brauche keine Hilfe. Das ist was für Schwache und während ich das denke, weiß ich, dass dieser Gedanke eine fiese Lüge ist. Überwinden kann ich mich trotzdem nicht

„Wenn du dir aussuchen könntest was du machen möchtest, ganz egal was, was wäre das? “fragt er. Schweigen. Ich kenne die Antwort nicht. Mir wird ganz flau im Magen. Ich kenne die Antwort nicht und alleine diese Tatsache sollte mich wachrütteln und mich dazu bewegen anderen Menschen auch mal meine Abgründe zu zeigen. Es wird Zeit den falschen Stolz abzulegen. Denn so wie ich das rückblickend betrachte, hat er mir bis dato nur Ärger beschert.


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