Toronto: Über miese Erkältungen, Wintergedanken und geliebte Freunde

26. Januar 2016

von Kaliopi

Ich habe in den Jahren meiner Existenz eine chronische Winterabneigung entwickelt, die in den Anfängen meiner 20er seinen Höhepunkt erreichte. Aus der Abneigung entwickelte sich Hass, darauf folgte eine Art Phobie und nachdem ich den Berliner Winter 2010 mehr schlecht als recht „überlebte“, schwor ich mir, allen darauffolgenden Wintermonate den Rücken zu kehren. Gedacht, getan; aber natürlich wusste ich, dass ich mich meiner Winterabneigung in irgendeiner Form stellen müsste, eines Tages.

Ich weiß nicht, wieso ich den kalten Monaten so gar nichts abgewinnen kann. Der Dezember hat seine Daseinsberechtigung. Wenn es um Weihnachten rum schneit, werde selbst ich etwas nostalgisch. Sobald sich der Januar ankündigt, verfalle ich in eine akute Winterlethargie. Vielleicht, weil ich Griechin bin und die Jahre meiner Kindheit in der Sonne verbracht habe. Vielleicht, weil mich der Winter an die Zeit erinnert, in der wir mein sonniges Griechenland verließen und uns im grauen, kalten Deutschland wiederfanden. Die Wahrnehmung eines fantasievollen Kindes kann ganz schön intensiv und verzerrt sein. Wie dem auch sei, ich lernte relativ schnell meine neue Heimat zu lieben, allerdings verließ mich nie dieses beklemmende Gefühl, sobald die ersten Januartage einbrachen.

Meine Besuche im skandinavischen Raum, spielten sich immer im Sommer ab, alle Länder die als kalt gelten, besuchte ich stets während der warmen Monate. Nun hat man leider kein Vetorecht, wenn die kanadischen Freunde beschließen im Winter zu heiraten. In Kanada. Mein Freund hat viele Jahre in Kanada gelebt, hat etliche Wintermonate erlebt und wusste genau, was uns in Toronto, mitten im Winter erwartet. Nun gehöre ich zu den Menschen, die alles besser wissen. Auf seinen Ratschlag, mir in irgendeiner Form einen vernünftigen Wintermantel zu besorgen und Schuhe mitzunehmen, die vielleicht ein Profil haben und mehr als nur gut aussehen, ging ich gar nicht ein. Wird schon, dachte ich mir.

Hach ja, das Universum kann wirklich ulkig sein, in der Art, wie es Lektionen erteilt. Ich wurde zwei Tage vor dem Flug so richtig krank, Fieber und das ganze Repertoire. Den Flug überstand ich nur mit Hilfe einer Apotheke, direkt am Flughafen, die mich mit Grippostad und Konsorten versorgten. Durch die Erkältung und dem Druck, den das Flugzeug auf die Ohren ausübt, war ich die kommenden drei Tage so gut wie taub auf dem linken Ohr. Nun ja, irgendwie überlebte ich den Flug und nach zwölf Stunden Schlaf, fühlte ich mich bereits am nächsten Tag wesentlich besser. Was ich aber zur Schadenfreude meines Freundes relativ schnell feststellte, war die Tatsache, dass ich Klamottentechnisch lieber auf ihn gehört hätte. Der gesamte Aufenthalt war extrem sonnig und extrem kalt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals zuvor so eine Kälte erfahren hätte. Toronto hat sich von seiner eisigsten Seite gezeigt. Was ich aber noch bemerkte war folgendes: Ich genoss es. Keine Angst, keine depressive Stimmung, keine Winterabneigung. Ich meine, ich war nicht in der besten Verfassung, körperlich. Ich war immer noch verschnupft, ich hatte nichts dabei, was im Ansatz für den kanadischen Winter geeignet war. Und trotzdem habe ich Toronto sehr genossen. Das lag bestimmt auch an der Tatsache, dass wir alle unsere Freunde wiedergesehen haben, meine wie auch die meines Freundes, dessen beste Freunde zum größten Teil in Kanada leben. Vielleicht lag es an der wunderbaren Sabrina, die mich jedes Mal glücklich macht wenn ich sie sehe, die ein hervorragender Gastgeber ist und uns Toronto selbst im Winter schmackhaft gemacht hat. Ich denke ich werde nach dieser Erfahrung dem Winter eine weitere Chance geben. Es muss ja keine epische Liebe sein, die sich da entwickelt. Die führe bereits mit dem Sommer. Aber es spricht nichts gegen neu gehegte Sympathien.

 

DSCF2812

 

DSCF2816

 

S0042827

 

S0022823

 

S0262907

 

DSC_1173

 

DSC_0668

 

IMG_6299

 

IMG_6327

 

IMG_6328

 

IMG_6360

 

IMG_6376

 

 


Schreib einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>