Steve- auf einen Kaffee mit meinem Lieblingsfotografen

2. September 2014

von Kaliopi

“There was nowhere to go but everywhere, so just keep on rolling under the stars.”

Am liebsten zitiere ich aus Jack Kerouacs Meisterwerk „On the Road“. Jedes Mal, wenn ich das Buch lese, überkommt mich das Gefühl von grenzenloser Freiheit und unbeschreiblichem Fernweh. Dass ich eines seiner Zitate einleitend benutze, ist ein großes Kompliment für den jeweiligen Künstler; weil es bedeutet, dass ich die Werke nicht nur wertschätze sondern auch mit Freiheit und Fernweh verbinde. Für mich eine so wunderbare Kombination, dass mir irgendwie die Worte fehlen.

Steffen, genannt Steve, kommt aus meiner Heimatstadt im Sauerland. Man kennt sich, so wie es nun mal in Kleinstädten ist. Entweder man ist zusammen zur Schule gegangen, hatte einen gemeinsamen Freundeskreis, oder besuchte die selben kleinen, überschaubaren Bars. Und dann gibt es diese Menschen, die irgendwie herausragen in so einer Kleinstadt. Ich rede nicht von extrovertierten, lauten, polarisierenden Menschen; eher über die Individuen, die durch ihre angenehme Stille auffallen, aber dadurch nicht weniger präsent sind. Genau so ein Mensch ist Steve.

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Steve ist groß, bärtig, hat rotes dichtes Haar und würde in jedem Drehbuch der stille Held, der tatsächliche Liebling sein. In einem Comedy-Film wäre er wohl der Bube, der am Ende das Mädchen bekommt, in einem Horrorfilm der Überlebende. So, genug visualisiert. Was macht Steve eigentlich?

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Steve ist Fotograf, hat sein eigenes Studio in Lüdenscheid, ist Weltenbummler und seit zweieinhalb Jahren nebenbei Barbesitzer. Vor 13 Jahren fing alles an. Irgendwie ist er da so reingerutscht. Er wollte schon immer was Kreatives machen, vielleicht was mit seinen Händen. Letztendlich entschied er sich dann doch für die Ausbildung als Fotograf. Seit 9 Jahren arbeitet er nun als selbständiger Fotograf und das sehr erfolgreich. Die Selbständigkeit hat er sich hart erkämpft. Wettbewerbe, Workshops, das aktive Dranbleiben – ein kräftezerrendes aber erstrebenswertes Unterfangen. Der Fluss an kreativem Input wurde nie gestoppt und so hat er sich mit der Zeit einen eigenen Stil angeeignet. Mittlerweile kann er sich mit großen Kunden wie Warsteiner schmücken. Eine große Leistung, wenn man bedenkt, dass Steve alles aus Lüdenscheid, einer eher kleinen Stadt, koordiniert.

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Berlin, Hamburg, München – große Städte in die es viele Kreative lockt. Aber ob das immer ein Vorteil ist? Eine Frage, die sich Steve auch schon oft gestellt hat. Klar, eine Stadt wie Berlin hat ihre Vorzüge. Man kann sich schnell ein großes Netzwerk aufbauen, aber gleichzeitig ist die Konkurrenz riesig und die Wahrscheinlichkeit in der Masse unterzugehen nicht gerade gering. Am Ende des Tages hat Steve sich gegen eine große Stadt entschieden. Seine Bescheidenheit beeindruckt mich. Es ist nicht diese falsche Genügsamkeit, die einen irgendwie unwohl zusammenzucken lässt. Er ist authentisch und erklärt mir, dass er nicht der große Redner ist, einer der gerne Smaltalk führt und auf biegen und brechen sein Netzwerk erweitern muss. Seine Erfolgsgeschichte ist eine Aneinanderreihung von Glücksfällen, Fleiß und Standhaftigkeit. Mit den Jahren konnte er sich ein gutes Netzwerk zusammenbasteln obwohl, oder gerade weil er in einer Kleinstadt lebt.

Als ich ihn frage, ob er den Schritt zur Selbständigkeit als ein eher blauäugiges Experiment betrachtet, muss er schmunzeln. Ja natürlich, antwortet er. Vor allem weil er einfach nicht wusste was alles auf ihn zukommt. Learning by doing, so seine Aussage und anders wäre es wohl auch nicht gegangen. Zu Beginn hat er viel vergessen und bestimmt auch einige Fehler gemacht. Aber genau das war hilfreich und heute ist er über jeden einzelnen Schritt dankbar.

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Die Art wie der bärtige Mann erzählt, fasziniert mich. Nichts davon klingt durchdacht oder aufgesetzt. Wie authentisch, denke ich während des gesamten Interviews. Ich will was über seine Reisen erfahren, denn Steve ist Weltenbummler. Stillstand scheint für ihn ein Fremdwort zu sein. Eine Kombination aus Job und Reisen – Die perfekte Lebensgestaltung!

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Reisen: Ein besonders wichtiges Stichwort in seinem Leben. Mal über den Tellerrand schauen und neue Welten entdecken. Also beschließt er vor vier Jahren eine kleine Weltreise zu unternehmen, um dem alltäglichen Stress ein wenig zu entfliehen; ein Entschluss, der natürlich auch Überwindung kostet, wie er sagt. Wenn die Entscheidung erst mal steht, dann ist es gar nicht so schwer erklärt er. Viele Menschen denken da an ein kostspieliges Unterfangen, aber das teuerste an dem ganzen Wagnis sind die Flüge. Alles andere ist sehr günstig gestaltbar, wenn man nicht viel Luxus braucht und sich an den kleinen Dingen erfreut. Gedacht getan und so bucht er einen Flug nach New York, wo sein Abenteuer beginnen soll. Alles andere kommt spontan. Go with the flow. Dreieinhalb Monate ist er unterwegs. Am meisten genießt er es die Orte nicht als gewöhnlicher Tourist zu erleben. Am schönsten ist es doch, so philosophiert er, wenn man Land und Leute auf natürlichem Wege kennenlernt. Von New York geht es nach Vancouver, einen Trip durch die Rocky Mountains, danach nach Los Angeles, mit einem Camper durch Neuseeland, einer Motorradtour in Sydney, einem Trip nach Hong Kong, einem recht anstrengenden, aber spannenden Besuch in Tokyo und letztendlich nach Bali, wo er seiner Leidenschaft dem Surfen frönen kann und Yoga für sich entdeckt. Abschließend geht es nach London und ab Nachhause.

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Im September plant der Rotschopf eine Motorradtour durch Kalifornien. Ein Abenteuer, auf das er sich sehr freut.

Zum Schluss frage ich Steve was seiner Meinung nach noch erfunden werden sollte? Mehr Zeit, ist seine Antwort; weil manchmal alles so rasend schnell geht. Schön wäre es, so sagt er, wenn der Tag 48 Stunde hätte. Das wäre ganz wundervoll.

Lieber Steve, danke für das inspirierende und ehrliche Gespräch. Ich bin mir sicher, dass wir noch viel von dir zu sehen bekommen! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du ein sehr erfüllendes Leben führst. Und wie ich schon zu Beginn zitierte: “There was nowhere to go but everywhere, so just keep on rolling under the stars.”

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© by Steve

 

 


2 Kommentare zu “Steve- auf einen Kaffee mit meinem Lieblingsfotografen

  1. Stanzi sagt:

    Wundervoll!

  2. Sehr gelungener Bericht mit großartigen Worten, Bildern und einem einzigartigen liebenswerten Künstler ;-) STEVE halt

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