Schwangerschaftsgenörgel Teil 1 – Die Sache mit dem verlorenen Gleichgewichtssinn

12. Januar 2017

von Kaliopi

„Genieß die Schwangerschaft!“ Das ist der Satz, der hartnäckig und unerschütterlich den gesamten Weg meiner Schwangerschaft pflastert, bis ich einlenke und der „Genuss“ real wird. Genieß die Schwangerschaft. Ernsthaft, wie geht das??

Versteht mich nicht falsch. Ich freue mich unbeschreiblich, riesig, gewaltig, aus ganzem Herzen auf dieses kleine Wesen, was in mir heranwächst. Ich freue mich so sehr, dass ich manchmal unkontrolliert anfange loszuheulen, weil mich der Gedanke an das kleine Reh so übermannt. Der natürliche Mutterinstinkt setzte spätestens bei der ersten Bewegung der Kleinen ein. Ein Moment, bei dem ich wusste, dass unsere Leben nicht mehr trennbar sind. Sie und ich, wir sind eins!

Ich gehöre allerdings nicht zu den werdenden Müttern, die die Schwangerschaft genießen. So ist es nun mal und dafür schäme ich mich nicht. Es mag sein, dass es Mütter gibt, die während ihrer Schwangerschaft total aufblühen und sich sogar in irgendeiner Form befreit fühlen. Bei mir ist das nicht so. Schwangerschaften sind anstrengend, aufwühlend, strapazierend, überraschend, ermüdend, eigenartig, beängstigend und lassen die Mama in Spe den kompletten Zeitraum vor Unsicherheit zerfließen. Neue Ängste erscheinen unaufgefordert auf der Bildschirmfläche, Ängste, die zu Beginn unbezwingbar erscheinen. Die ersten drei Monate bangt und hofft wohl jedes werdende Mamaherz, dass alles gut geht, weil diese Zeitspanne ja bekanntlich der Risikoabschnitt ist und selbst wenn diese Phase überstanden ist, steigen immer wieder Ängste empor, weil mit dem Körper nie zuvor gekannte Dinge passieren, die sich außerhalb des eigenen Kontrollbereichs befinden.

Das anziehen einer Strumpfhose dass ab dem 5 Monat zu einer für mehrere Minuten anhaltenden Tagesaufgabe wird, das Verwirrspiel zwischen der, über den ganzen Tag anhaltenden Übelkeit und dem zwischendurch maßlos aufkeimenden Appetit, die bleierne Müdigkeit, die weder das Arbeiten noch den Gang ins fünf Meter entfernte Bad zulässt, die Rückkehr pubertärer Symptome in Form von Pickeln und eine Blase die 22 Stunden am Tag voll zu seien scheint, sind nur ein paar von den neuen Begleiterscheinungen der nächsten Monate. Gleichgewichtsprobleme, Rückenschmerzen, verstauchte Rippen, Gebärmutterhalsverkürzungen, Atemlosigkeit, Gedächtnisschwund…und und und. Genau. Ich weiß, das alles ist es Wert, aber ich finde ich habe das Recht ein wenig zu Nörgeln und Dampf abzulassen und deswegen würde ich die oben genannten „Symptome“ hier, Kapitel für Kapitel festhalten, zu meinem Schreibventil verwandeln und eine Plattform für Mütter, oder werdende Mütter zu kreieren, die den Satz „Genieß es“ auch nicht so ganz begreifen. Gleichzeitig halte ich das Ganze in Form von kleinen Illustrationen fest, der Veranschaulichung und der meiner eigenen Unterhaltung zu liebe.

Also beginne ich einfach mal querbeet mit der Nörgelei und zwar möchte ich auf mein aktuelles und neu dazugewonnenen Lieblings Symptom eingehen – Der verlorene Gleichgewichtssinn. Ich bin nun im siebten Monat schwanger und ich hätte nicht gedacht, dass es mal wichtig gewesen wäre die Sache mit der Balance zu üben. Ja ihr lieben, bücken ist nicht mehr drin. Jeder Versuch in den letzten zwei Wochen scheiterte mit dem Resultat, dass ich mich entweder nicht mehr hochbewegen konnte, oder das Gleichgewicht verlor und beinahe meinen Allerwertesten mit dem Boden bekannt machte.

Oft macht sich das Phänomen des Gleichgewichtsschwunds beim nächtlichen Gang ins Bad bemerkbar.

Der Versuch sich aufrecht hinzusetzen klappt beim dritten Anlauf, gleichzeitig findet der Kampf des „alles-schön-in-der-Blase-behaltens“ statt bis man es ins Bad geschafft hat, gefolgt von dem kläglichen Versuch sich aufrecht hinzustellen –ein Mal, zwei Mal, drei Mal- geschafft- und dann die größte Herausforderung: aufrecht stehen und nicht umfallen, da die Schwierigkeit darin besteht sich weitgenug nach hinten zu lehnen, um den Schwerpunkt eben nach hinten zu verlagern, um nicht nach vorne überzukippen, aber eben nicht so weit nach hinten zu lehnen, damit man nicht auf dem Hinterteil landet. Puuuh. Das ist ein Akt, sag ich euch. Und das schönste an dieser wundervollen Geschichte: Diese 15-minütige Prozedur, dieser nächtliche Marsch ins Bad, dieses kleine Abenteuer, findet mindestens 6 Mal in einer Nacht statt. Ja, ich genieße es  :)


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