Reisen mit Baby – Über die kleinen Stolpersteine unterwegs

21. November 2017

von Kaliopi

Organisation – Wenn ihr mich fragt, gewinnt die Bedeutung dieses Wortes, nach der Geburt eines Minimenschen, einen dermaßen großen Wichtigkeitsschub, dass es meine, von Tag zu Tag neuerkämpfte Routine, völlig durcheinander bringt. Wieso sollte mich dieses Wort so entrüsten, fragt ihr euch? Nun ja, wenn Organisation bis dato nur einen untergeordneten Stellenwert im Leben hatte, wenn Freunde, Verwandte und meine Wenigkeit schon vor vielen Jahren akzeptieren mussten, dass ich wohl der unorganisierteste Mensch hier, auf diesem Planeten und in allen weiteren Galaxien bin, dann birgt die neugewonnene Wichtigkeit dieses Wortes, die eine oder andere Herausforderung. Man muss sich das so vorstellen: Man wird eines frühmorgens wach und soll ohne Vorwarnung Meister in der Kunst des Kung Fu werden. Nur, dass man weder Übung noch Talent besitzt und dass niemand einem einen angemessenen Vorlauf gab, um sich vorzubereiten.

Also wurde ich eines Morgens wach und eine Horde von Hormonen machte sich in meinem Körper breit und teilte mir mit, diesen für die nächsten Monate in beschlag zu nehmen. Besagter Minimensch mit bedrohlich wirkendem Wackel-Dackel Kopf wurde mitsamt den unberechenbaren Hormonen mitgeliefert und die Herausforderung bestand nun darin, mein unorganisiertes Ich, das Menschlein und den völlig durcheinandergebrachten Hormonhaushalt zu organisieren. Es folgten zahlreiche Ausflüge mit unvollständig gepackten Taschen für das Baby, kleine und große Missgeschicke im Windelbereich ohne eben jene Windeln dabei zu haben und generell wollte der Kopf und die Erinnerung nicht mehr fusionieren und somit nicht mehr gemeinschaftlich funktionieren. Chaos, totale Abwesenheit von Organisation und gelegentliche Verzweiflung waren das Resultat. So weit so gut. Es ist eine Sache sich im Alltag zu organisieren, eine ganz andere aber sich und das Baby reise – fit zu machen. Reisen, eines der größten Freuden in meinem Leben, gestaltete sich auf einmal etwas aufwändiger und wäre ich nicht so unfassbar unorganisiert in meinem „Vorleben“ so hätte ich wahrscheinlich einige Herausforderungen umgehen können.

Von welchen Herausforderungen spreche ich also? Es fängt mit der Packliste an und der Tatsache, dass man ja nun doch doppelt packt auch wenn Miniwesen fünf Mal kleiner ist, als die eigene Wenigkeit. Man könnte sich als nicht-Elternteil jetzt fragen, was so ein kleiner Gnom überhaupt braucht? Mehr als man denkt, kann ich euch sagen. Der erste Ausflug war natürlich besonders aufregend. Umso öfter man sich aber wagt den kleinen Menschen in seine Reisen zu integrieren, desto einfacher wird es, auch wenn sich die Art des Reisens von Woche zu Woche verändert, weil das Baby im rasanten Tempo Entwicklungen durchlebt. Es gibt jedoch einige Grundregeln, die sich im Laufe der Zeit einprägen. Dazu gehören Wechselklamotten, genügend Windeln für unterwegs, das aktuelle Lieblingsspielzeug und in unserem Fall ein Schnuller, wobei der immer weniger zum Einsatz kommt. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich Stillen kann, weil das einen wesentlichen Teil des Organisierens aus der To-Do Liste eliminiert.

Nun bin ich die ersten sechs Monate mit Baby samt Partner vereist. Letzte Woche ging es dann das erste Mal ohne Ehemann auf Reisen. Glücklicherweise begleitete uns meine Schwägerin, einen Unterschied hat es trotzdem gemacht.

Die Reise ging nach Wien, die Anreise beinhaltete eine halbstündige Autofahrt zu einem Bahnhof, eine zwei Stunden Fahrt mit dem Zug zum Flughafen und eine Stunde Fliegen nach Wien, mit anschließendem abholen und einer erneuten halbstündigen Fahrt zum finalen Reiseziel. Lonny hatte vor zwei Wochen beschlossen, dass Mittagschläfchen so gar nicht mehr zu ihrem Lifestyle passen und somit war sie fast die gesamte Anreisezeit wach. Das birgt Vor-und Nachteile. Der Vorteil ist für mich, dass ich merke wie aufgeweckt und aktiv mein Kind ist. Sie hat fast die gesamte Zeit nicht gequengelt, oder geweint, sie war fröhlich, hat alle Menschen um sich herum mit ihrem Lächeln verzaubert und freudestrahlend vor sich hin gebrabbelt. Sie hat den Flug vorbildlich gemeistert, nachdem sie Nasentropfen bekam und generell war sie einfach gut drauf. Das heißt aber für mich wiederum, dass ich auch keine Minuten schlafen, oder auch nur im Ansatz die Augen schließen kann. Lonny saß abwechselnd auf meinem, oder Tante Myras Schoß, denn eines mag unser kleines Reh gar nicht, wenn sie wach ist: Den MaxiCosi. Sie will einfach immerzu getragen werden, oder auf dem Boden spielen. Letzteres war natürlich nicht möglich und im Auto waren selbstverständlich beide Varianten ausgeschlossen. Nachteil eines hellwachen Reisebabies ist also, die Tatsache, dass man permanent in Aktion ist. Alles Gewöhnungssache und da kommt auch die Organisation ins Spiel; das richtige Spielzeug einpacken und ein paar Snacks, außer der Muttermilch, mitnehmen. In Lonnys Fall sind das, Pappbecher, Tupperware, eine kleine blonde Plastikpuppe, (ein Geschenk, was mein Mann und ich aus ganzem Herzen hassen, was Lonny aber leider abgöttisch liebt) die singt und Prinzessin Sonja heißt und ein Beißring. Hinzu kommen selbstgemachte Quetschies (Bei DM gibt es wiederverwendbare Quetschietüten, die man selber mit frischem Obst füllen kann). Der kleine Frechdachs liebt Banane und Birne und so mixe ich das Obst und sie ist 10 Minuten lang mit schmatzen und jauchzen beschäftigt.

Was das Bespaßungsprogramm während der Fahrten und Flüge angeht, sind wir also mit, oder ohne Ehemann, ein eingespieltes Team. Ich würde aber gerne schildern, was mir bei dieser Reise am meisten zu schaffen gemacht hat – Die fehlende Hilfsbereitschaft meiner Mitmenschen. Liebe Leute, ich war leicht schockiert. Vielleicht lag es an der Anwesenheit meines Mannes auf den Reisen zuvor, dass mir nie aufgefallen ist, wie selbstsüchtig unsere Spezies zum Teil ist. Ich möchte hier nicht verallgemeinern, ich möchte sogar einen großen Teil der Patzigkeit und der fehlenden Empathie auf das miese Grauwetter und die dunkle Jahreszeit schieben, aber mir hängt diese Unfreundlichkeit noch etwas nach. Ohne lange darauf rumreiten zu wollen, fasse ich aber kurz zusammen, was mir negativ aufgestoßen ist. Ja, meine Schwägerin und ich, waren zu zweit, das bedeutet aber nicht, dass die Menschen um uns herum, nicht auch helfen könnten, wenn sie Tonnen an Gepäck, den Kinderwagen, das Baby, einen kaputten Fahrstuhl und eine tausend-Kilometer hohe Treppen sehen. Dabei ist es egal, ob eine Frau, oder ein Mann desinteressiert an uns vorbeischlendern und sehen, wie wir uns abmühen, den schier endlos lagen Flughafen in Richtung Flugzeug zu meistern. Ich helfe immer, wenn ich sehe, dass jemand Hilfe braucht. Danke auch an den Security Mann, der besonders unfreundlich an der Gepäckkontrolle war. Nachdem wir vom Lufthansa-Personal nach vorne gelassen wurden, hat er uns eine geraume Weile ignoriert und sich dann fast geweigert uns durchzulassen. Auch wenn er gesehen hatte, dass seine Kollegen uns durchgelassen hatten, hat er darauf bestanden, dass wir uns wieder in die Schlange stellen. Dann wollte er, dass wir die Räder des Kinderwagens abmontieren, damit er den Kinderwagen durch die Gepäckkontrolle schieben kann. Sowas habe ich noch nie erlebt und er hatte entweder was gegen Frauen, oder gegen Kinder. Sein Hass und seine Missgunst waren wirklich und ungelogen fast körperlich spürbar und er wollte es uns so schwer wie möglich machen, das war klar. Nun ja, trotz der Stolpersteine haben wir es in den Flieger geschafft. Ich muss sagen, dass Flughäfen und Bahnhöfe noch erhebliche Mängel aufweisen, wenn es um den Kindertransport geht. Es gibt viel zu wenig Fahrstühle, oft sind diese defekt und manchmal gibt es schlicht und einfach keine. Ich möchte nicht behaupten, dass jede Reise so aussehen muss. Manchmal hat man halt etwas Pech. Dafür war der Aufenthalt total schön und das ist ja tatsächlich die Hauptsache. Ich weiß, dass ich bei jeder Reise was dazulerne und seit mein kleiner Lieblingsmensch da ist, bin ich gezwungenermaßen, um ein vielfaches organisierter geworden. Was für mich wiederum bedeutet, dass man egal wie alt man is,t stets dazulernen kann.

 

 


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