Reisejournal – Der Weg nach Indien

16. November 2015

von Lydia Springer

Journal – 1.Eintrag – Vorwort

Dies ist der erste Eintrag von einer Reihe von Einträgen, die in den nächsten zwei Monaten folgen werden, denn ich werde nach Indien reisen. Für zwei Monate.

Viele in meinem Alter haben schon den einen oder anderen, kürzeren oder länger Auslandtrip oder auch -aufenthalt hintersich, ich leider noch nicht. Ich war bislang noch nie außerhalb Europas, mein längster Flug war nach Stockholm, wo ich nur zwei Tage verbrachte. Warum ich das nicht schon längst gestartet habe, ist eine berechtigte Frage. Ich glaube, ich habe mich bislang, also die erste 28 Jahre meines Lebens, in Verpflichtungen verstrickt: Abitur, dann direkt Studium, dann die Selbstständigkeit und anschließend arbeiten, arbeiten, arbeiten, um die Schulden der Selbstständigkeit abzutragen, was mir bislang sehr gut gelungen ist. Im Sommer dieses Jahres fiel mir dann wirklich die Decke auf den Kopf. Ich bin schon seit neun Jahren in Berlin, der Stadt, die soviele Möglichkeiten bietet, und ich habe viele von ihnen genutzt und doch bin ich auf meiner Suche nach dem Sinn hier noch nicht wirklich fündig geworden. Versteht mich nicht falsch, ich finde diese Stadt toll und doch fehlt mir – abgesehen von meinen großartigen Freunden – die Tiefe, das Echte und Wahrhaftige. Und da im Sommer viele meiner Freunde in der Welt umhergefahren sind, regte sich in mir der Wunsch, endlich auch mal einen anderen Blickwinkel auf mein Leben zu bekommen, denn das verspreche ich mir von einer Reise. Es soll mehr sein als ein Urlaub – eine kurze Ausflucht/Erholung aus dem Alltag, in den man nach kurzer Zeit zurückkehrt (so meine Definition von Urlaub) – ich will mehr. Jeder der bislang da war, versichert mir, dass Indien ihn tief bewegt hat, und etwas verändert hat, dass er seine Werte überdacht und teilweise neu geordnet hat. Ich bin bereit dafür.

Ich bin sehr froh, dort vorerst in einem Hotel eines Freundes von mir unterzukommen und von dort die Reise zu beginnen. Mein Freund Tom wird mit mir reisen und natürlich habe ich ein paar Ideen, was ich im Süden Indiens sehen möchte, aber es wird eine der größten Herausforderungen für mich werden, mich treiben zu lassen, spontan zu sein und nicht alles vorher im Detail durchzuplanen, wie es üblicherweise meine Art ist.

Seit einem Jahr praktiziere ich regelmäßig Yoga und allein dadurch hat sich mein Interesse in Richtung Indien, dem Ursprungsland dieser Philosophie, die mir die letzten Monate so viel beigebracht hat, enorm verstärkt. Spiritualität, Ursprünglichkeit, Tradition, Kultur und auch Weisheit vom Leben sind es, die mich animieren diese Reise anzugehen.

Am 02.Dezember geht es los, vielleicht werde ich mir bis dahin noch die einen oder anderen Gedanken machen und euch daran teilhaben lassen, aber definitiv werde ich mit einer vernünftigen Kamera ausgestattet, ab Anfang Dezember euch zeigen und beschreiben, was ich in Indien sehe und herausfinde. Es wird kein Reiseführer werden, mit den tollsten Hotspots oder dergleichen, dazu ist meine Wahrnehmung zu subjektiv, aber vielleicht wird es ein gedanklicher Wegweiser oder ein einfach ein Zeugnis, von einer Welt, die für mich noch so fremd und doch gleichzeitig sehr vertraut anmutet.

In großer Vorfreude

Eure Lydia


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