Mutterrolle – Von Ängsten und dem Glauben, der Berge versetzt

13. Dezember 2018

von Kaliopi

Mutter zu sein, bedeutet eine ständige Gradwanderung von Gefühlen zu durchleben. Seit über zwanzig Monaten, sind Zwiespältigkeit, Verunsicherung und noch nie zuvor gekannte Ängstlichkeit, wiederkehrende Weggefährten. Auf der anderen Seite halte ich Händchen mit totaler Verzückung, unendlicher, beispielloser Liebe und beschwingtem Herzpochen, jedes Mal wenn ich den kleinen Menschen mit dem unbändigen Willen beobachte. Dieser Gefühlscocktail hat den Effekt, dass ich es mit einer ständigen Fremdherrschaft in meiner Gefühlswelt zu tun habe und ganz ehrlich ihr Lieben, diese Mixtur macht mir mehr zu schaffen, als der Schlafmangel es jemals könnte.

Ich glaube die Ängstlichkeit ist die Gewinnerin unter den Energiesaugern; und was diesen Prozess auch noch antreibt, sind andere Mütter. Seit ich dem Mutterdasein beigetreten bin, gehöre ich zu dem imaginären Club, der Angstaustauscher, einem Club, wo ständig und ungefragt grausame Botschaften vom ableben anderer Kinder übermittle werden. Liebe Mütter, ich möchte diese Geschichten nicht hören. Sie schüren besagte Angst und rauben mir, den eh schon viel zu kurz geratenen Schlaf. Ich möchte nichts übers Ersticken hören, über seltene Krankheiten, Impfschäden, Autounfälle und Entführungen. Ich meide längst sämtliche Medien, die solche Themen aufgreifen und trotzdem bekomme ich immer noch ungefilterte Horrorgeschichten zugetragen. Wir leben in einer Welt, wo die Medien das Zepter in der Hand haben und gefühlt der Aufgabe nachgehen uns konstant einzuschüchtern. Sie füttern besagte Ängste und diese wachsen und gedeihen, bis wir unsere Kinder nicht mal eine Millisekunde alleine lassen können, weil uns so viele Bilder des Grauens eingepflanzt wurden, dass wir nur noch mit bedächtigen, argwöhnischen Augen unterwegs sind und unsre eigenen Instinkte völlig ausgeknipst haben. Wieso ist es so populär unter Müttern, endlos über fürchterliche Begebenheiten zu reden, bis ins Detail, mit besorgten Mienen und gesenkter Stimmer, immer mit dem leichten Anflug von Sensationsfreude und gleichzeitiger Genugtuung im besorgten Blick, dass das Gott sei Dank nicht einem selber passiert ist. Macht ihr das, um euch selber zu beruhigen? So als ob es einen Los Topf der Unglücksfälle gibt, und ihr dieses Mal verschont worden seid? Ich verstehe es nicht und ich vermeide Krabbelgruppen und Mutterkonstellationen aus diversen Gründen, aber auch, aus eben genanntem. (Überspitzt und verallgemeinert dargestellt, weil natürlich nicht jede Mutter so ist).

Zwiespältigkeit hätte fast das Rennen gemacht, thront aber nur auf dem zweiten Platz; ist aber nicht zu unterschätzen. Ich habe vor kurzem abgestillt, nach zwanzig Monaten. Hätte mich jemand im Vorfeld gefragt, ob ich so lange Stillen werde, ich hätte sicherlich mit Nein geantwortet. Heute würde ich mit vehementem Kopfzucken antworten, meinem persönlichen Zeichen der Unschlüssigkeit. Bedeutung: Ja, Nein, keine Ahnung. Das Stillen war ein ständiges Gefühls-Hin-und-Her. Jeder Anfang ist schwer und die ersten zwei Monate ganz besonders, zumindest in meinem Fall. Dann ist es wunderbar und sehr persönlich, zwischendurch nervt es, weil mal doch mal gerne wieder ein Glas Wein trinken will. Dann merkt man, dass Alkohol total überbewertet wird und Stillen super und unkompliziert ist, vor allem auf Reisen. Und dann kommt die Phase, wo man weiß: So langsam erreichen wir das Ende dieser Stillreise. Oder doch nicht? Bei mir hat „Oder doch nicht?“ ein halbes Jahr Platz in unserem Leben eingenommen. Kann Ich es? Kann Sie es? Stellte sich heraus, dass Sie es sehr wohl konnte und Ich das Problem war. Mir fehlte die Nähe, die Vertrautheit. Aber alles hat ein Ende und Vertrautheit wird von Vertrautheit abgelöst, die geht nämlich nicht einfach verloren. Sie wird ersetzt, durch eine neue Form der Intimität, einer vielleicht noch intensiveren, weil die zuvor schon so ehrlich und gut war und den Grundstein für alles Weitere gesetzt hat

Fazit meiner kleinen Gefühlexkursion: Alles ist aushaltbar, irgendwie. Am Ende des Tages überwiegen die positiven Gefühle, vor allem, wenn man die Ängste akzeptiert und nicht bekämpft, ihnen aber nicht mehr so viel Raum gibt. Schlimme Dinge passieren, da kann man nichts machen. Aber ich glaube an die Macht der positiven Manifestation und darauf, dass am Ende alles Gut wird. Und das ist eine große Stütze, wenn man erst mal richtig daran glaubt. Sagt man nicht, der Glaube versetzt Berge? Ich glaube er versetzt sogar ganze Täler und Flüsse und ganze Kontinente, wenn er nur ehrlich und groß genug ist. Und die Liebe zum Kind? Die versetzt ganzen Universen und Galaxien!


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