Learn it all again tomorrow

23. November 2015

von Kaliopi

Sie macht mir die Tür auf, ich falle ihr in die Arme und genieße den Augenblick des Wiedersehens. Wir kennen uns schon seit Kindheitstagen, sind zusammen zur Schule gegangen, kommen beide ursprünglich aus Griechenland. Sie ist wundervoll, schön, klug und sehr warm und sie gibt jedem Menschenwesen ein gutes Gefühl. Sie blieb hier, wurde Lehrerin, heiratete ihre Jugendliebe und hat seit einigen Monaten, das wohl fröhlichste und entzückendste Kind, was ich je kennenlernen durfte. Sollte ich jemals Kinder haben, wäre ich wohl ziemlich enttäuscht, wenn meins nicht mindestens genauso lebendig und süß wäre, wie ihr kleiner Schatz.

Sie und ich, wir haben ähnliche Lebensläufe; mit einem entscheidenden Unterschied. Sie ist ein von Grund auf zufriedener Mensch. Sie ist kein Zweifler. Sie hinterfragt ihre Entscheidungen nicht. Sie ist glücklich, mit allem was das Universum ihr bereitstellt und im Gegenzug belohnt sie genau dieses Universum mit Zufriedenheit und Glück. Während ich mein ganzes Leben rastlos und auf der Suche verbrachte, hinterfragte sie nicht. Sie bereute nicht. Es geht nicht um ein bestimmtes Lebensmodell. Es geht nicht darum, wie sie ihr Leben lebt, sondern dass sie es lebt. Ohne Reue und stets positiv und mit Hingabe.

Ich dachte in der Vergangenheit oft, dass es darum geht besonders abenteuerlich, aufregend und abwechslungsreich zu leben. Ich dachte immer es geht um das Wie. Wie lebe ich? Erlebe ich genug? Immer auf der Suche, immer dem nächsten Adrenalinrausch hinterherjagend. Ich bin müde. Mich hat diese Rastlosigkeit sehr müde gemacht, mir viel Energie geraubt Es geht nicht darum sesshaft zu werden. Es geht darum zu seinen Entscheidungen und zu seinem Leben zu stehen, egal wie dieses aussehen mag. Großstadt, Dorf, Meer, Berge – am Ende des Tages spielt der Standort nicht die entscheidende Rolle, sondern die Einstellung. Wenn ich schreibe, dass ich müde bin bedeutet das nicht, dass mich Handlungen müde machen. Viel mehr rede ich über meinen im Dauereinsatz ratternden Kopf und das viel zu kontrollierte Abwegen der nächsten Zukunftsschritte, welches dann letztendlich im kopflosen Handeln endet. Ich muss meine müden Gehirnwindungen entspannen, muss mir das mehr als nur vornehmen. Ich muss mich frei machen, von den Meinungen anderer und den Prozess des Reifens mehr würdigen; sonst bleibe ich stecken, in den Gedanken einer verträumten 20 jährigen, die nur minimal dazugelernt hat.

Ich sitze mit meiner bezaubernden Freundin und ihrer kleinen brabbelden Süssen auf der Couch, schlürfe Kaffe und esse ihre selbst gemachte Tiramisu. Ich bin erfüllt mit ganz viel Liebe, weil ich an unsere fünfjährigen Persönlichkeiten denken muss. Sie und ich, gemeinsam in der griechischen Schule und später dann auch im Deutschunterricht. Zwei dunkelhaarige Mädchen aus Griechenland, mit ihrer ganzen Zukunft vor sich. Und nun sitzen wir hier mit ihrer Tochter und die Jahre sind einfach so ins Land gezogen. Und wir träumen weiter. Weil das Leben doch gerade irgendwie erst begonnen hat. Ein neues Kapitel, das selbe Buch. Allen voran geht der Gedanke, dass es immer weiter geht, dass wir immer dazulernen. Ein Prozess gegen den wir uns nicht wehren können und gleichzeitig beruhigt mich dieser Gedanke. Die Welt dreht sich weiter, wir reifen, wir lieben und wir lernen uns jeden Tag ein Stückchen mehr zu akzeptieren. Bis wir eines Tages zufrieden sind!


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