Kaffeebekenntnisse

14. Dezember 2015

von Kaliopi

Ich betrachte die Oberfläche des Kaffees, den ich gerade zubereite. Um genau zu sein, bereite ich einen Cappuccino vor. Zum gefühlt tausendsten Mal probiere ich mit der schäumenden Milch ein schönes Muster zu kreieren. So wie es diese hochprofessionellen Barista-Typen machen. Ein Herz, oder eine Blume, oder irgendwas, was im Ansatz professionell und anschaulich aussieht. Wie immer sieht meine Kaffeeoberfläche wie ein abstraktes Gemälde aus. Wirre Muster aus Milch und Espresso. Typisch für mich, dass keine klaren Formen zu erkennen sind. Wirr, wie meine Gedanken.

Ich ertappe mich dabei, wie ich diese kleine Handlung kritisch durchleuchte. Meine Gedankengänge verwandeln diesen kleinen Akt recht schnell in etwas Negatives. Und zum ersten Mal versuche ich dieses jahrelang ankonditionierte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Anstatt die abstrakten Formen als Zeichen der Unfähigkeit zu betrachten, versuche ich meine Kaffeekreation positiv zu durchleuchten. Eine Blume; wie langweilig. Meine Formen sind abstrakt, man kann alles hineininterpretieren, die Milchgeschäumten Formen in was Eigenes und Besonderes verwandeln.

Ich atme ein und fühle mich in sekundenschnelle besser. Fast schon erleichtert. Der Beginn der Akzeptanz. Irgendwie schön, dieser Zustand. Jetzt muss ich dieses Gedankenspiel auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. Gar nicht so einfach. Aber machbar.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wie so ziemlich jeder Mensch den ich kenne, wird das alljährliche Fazit gezogen. Ein gutes Jahr. Wie einfach mir dieser Satz fällt. Ein sehr gutes Jahr. Sämtlicher Ballast wurde abgeworfen. Ich habe verziehen, mir selber, wie auch all jenen, die mich negativ berührt haben. Verzeihen viel mir immer so schwer. Nun spüre ich, wie sich meine Blockaden lösen, mein Herz sich leichter anfühlt. Dieses Jahr hat eine Grundreinigung stattgefunden. Geblieben sind nur Dinge und Menschen, die mir gut tun. Es wird keine weiteren Versuche geben, bereits Zerbrochenes wieder heile zu bekommen. Keine weiteren Chancen, für niemanden. Nur Vergebung.

Dieses Jahr, war das Jahr der ehrlichen Gefühle und der Selbstfindung. Das Jahr, welches die Liebe und die Familie in den Vordergrund gestellt hat. Mit dem Herzensjungen an meiner Seite, scheint alles viel einfacher. Die Angst vor Stille und Einfachheit hat sich verabschiedet. Nun freue ich mich über friedliche Tage und diesem Gefühl von Geborgenheit. Ich habe gelernt, dass ich nichts verpasse, wenn ich nicht auf jeder Hochzeit tanze, ganz im Gegenteil. Die einkehrende Ruhe und die Realisierung, dass es viel schöner ist zu einer getroffenen Entscheidung zu stehen, mag sie noch so klein sein, ist so viel angenehmer. Mein unruhiges Wesen lernt sich in Geduld und auch wenn mir ziemlich klar ist, dass es sich hierbei um ein langwieriges Unterfangen handelt, sehe ich ganz deutlich die Fortschritte, Licht am Ende des Tunnels, wie man so schön sagt.

Ich bereite mich vor, auf das neue Jahr, weil es sehr viele Veränderungen mit sich bringen wird. Dieses Jahr war das Jahr der Entscheidungen und der Selbstfindung. Das Kommende bringt aktive Veränderung mit sich. Aber alles zu seiner Zeit. Noch stehen die Weihnachtstage an, auf die ich mich dieses Jahr besonders freue. 2015 geht, wie es gekommen ist. Ruhig und ohne Hektik mit einer verheißungsvollen Zukunft in Aussicht und so was wie Zufriedenheit. Die Bilder waren nicht immer klar und es gab viel Raum für Interpretationen, aber am Ende des Tages ergab das Bild aus Milch und Espresso einen Sinn, auf eine ganz besondere Art und Weise.


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