It’s good to see you: MALKY

6. Januar 2014

von Lea

In dem Moment des Schreibens sitze ich gerade im Zug. Im Zug zurück nach Berlin, zurück in mein derzeitiges Zuhause. Trotzdem – so geht es wohl jedem, der nicht in der Nähe seiner Familie wohnt – fühlt es sich jedes Mal an, als würde ich einen Teil von mir einfach zurücklassen. Es fühlt sich an, als könnte ich wohl niemals so richtig ganz sein. Dableiben geht nicht, Weggehen ist manchmal genau so schwierig. Irgendwo ist doch immer jemand, der fehlt.

Für Daniel, Singer – und Songwriter von Malky, ist Heimat auch ein ganz besonderes Thema. Bulgarien ist das Land, das er vermisst, wenn er an Heimat denkt. Der Name „malky“ (kleiner Junge) hat seinen Ursprung ebenfalls in diesem Land. So nennt man die kleinen Jungs beim Fußballspielen auf der Straße beispielsweise – es ist aber eher eine Stimmung als ein Wort, deshalb macht eine direkte Übersetzung keinen Sinn.  Die Heimat zu verlassen – da waren wir uns in unserem Gespräch sehr einig – weg von all dem zu gehen, das man kennt, um irgendwo ein neues Leben zu beginnen, das ist nicht immer einfach. Im Gegenteil wahrscheinlich. Aber es öffnet gleichermaßen viele Türen. Türen, durch die es sich zu gehen lohnt, wenn man die Geschichte seines Lebens schreiben möchte. Und manchmal, da muss man sich eben überwinden, sich seinen Ängsten stellen, ganz egal, bei was. Bei der Musik, in der Liebe, bei der ZukunftsperspektiveGrenzen überschreiten, Ungewohntes wagen. Ob es sich lohnt, ein Label und eine Band zu gründen, um damit sein Geld zu verdienen? Man weiß es nicht bei all der Konkurrenz. Aber es entspräche nicht seinem Wesen, so Daniel, würde er es nicht zumindest ausprobieren.

Eine gewisse Melancholie füllt den Raum und wir sind uns nicht sicher, ob sie von Daniel selbst oder unseren Gesprächen ausgeht. Aber wir genießen sie, denn sie macht das Gespräch zu dem, was es werden sollte. Ein bisschen so, als wäre es gar kein Interview. Daniel, 27 Jahre, groß, gutaussehend. Aber es ist nicht sein Aussehen, womit er die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen auf sich zieht. Es sind seine ruhige Art, seine wachsamen Augen und die angenehme Stimme, die sich im Gesang zu etwas noch viel Großartigerem entwickelt. Charisma würde man das wohl nennen, nicht greifbar, dennoch deutlich sichtbar. Ruhig und dennoch gespannt beantwortet er uns jede Frage, manchmal ganz schnell, manchmal mit ein wenig Pause zum Nachdenken dazwischen.

Mit der Musik angefangen hat er mit 12 Jahren, anfangs waren es jedoch nur Mama und Papa, die ihn bewertet haben. Und wenn wir mal ehrlich sind, sind die Eltern einfach keine vertrauensvolle Bewertungsquelle. Nach dem Abi wartete dann das erste ehrliche Publikum: von dann an war der Übergang nahtlos. Anfangs reichte es bloß, um sich ein bisschen über Wasser zu halten. Heute, 8 Jahre später, gibt es das Projekt Malky. Bewusst allein aufgezogen, um dem natürlichen Tempo einer Bandentwicklung nicht im Wege zu stehen. Doch wenn man Daniel auf der Bühne sieht, dann ist fraglich, ob das kommende Tempo wirklich langsam bleibt. Spätestens bei Diamonds war es um mich geschehen und ich konnte genau beobachten, dass es den anderen Zuhörern auch so ging. „Hast Du manchmal Angst vor schlechten Bewertungen, davor, was Menschen von Dir denken könnten. Davor, dass Menschen zu viel über Dich wissen könnten, Menschen, die Dir all das vielleicht nicht gönnen, die Dich womöglich zu glatt oder doch schlicht unzulänglich finden?“ Natürlich kam mir diese Frage in den Sinn, sie beschäftigt mich schon aus persönlichen Gründen sehr. Diese Frage allerdings so ehrlich beantwortet zu bekommen, das ist eher selten. „Angst ist extrem präsent in meinem Leben“, sagt er uns, „eigentlich ist sie fast immer irgendwo. Gäbe es sie nicht, sähe mein Leben anders aus, die Texte möglicherweise auch. Die Meinung anderer geht nicht immer spurlos an mir vorbei, aber wir müssen lernen, der Angst ins Gesicht zu lachen. Denn wenn wir das beherrschen, dann sind wir frei!“

Wenn er sich was wünschen könnte, dann wäre es, vollständig von seiner Musik leben zu können. Dann wäre nämlich alles vereint: Heimat, Leidenschaft und sein Traum. Wir können nicht anders, als daran zu glauben. Alles andere würde einfach keinen Sinn ergeben.

Mehr davon gibt es hier.

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