Heute bin ich die Glücksmarie

28. Mai 2015

von Kaliopi

Wenn du lange genug durch dunkle Nebelschwaden gewandert bist, wenn du zum wiederholten mal gedacht hast, dass du nun nicht tiefer sinken kannst, wenn Zeit irgendwann keine Rolle mehr spielt, weil sich die Sinnlosigkeit so dermaßen breit gemacht hat, dass kaum Luft zum atmen bleibt, dann fällt es schwer daran zu glauben, dass auch bessere Zeiten kommen. Aber sie tun es. Das Alter lehrt dich jedes Jahr aufs Neue, dass der Begriff Achterbanhnfahrt im Bezug auf das Leben, mehr als nur zutreffend ist. Glücksmomente werden von Pechsträhnen abgelöst und umgekehrt. Mal darf man sich als Glücksmarie bezeichnen, mal ist es dann doch, die nicht ganz so populäre Pechmarie.

Ganz langsam und behutsam, wagst du es wieder richtig durchzuatmen. Nicht zu früh freuen, flüstert der skeptische, raumeinnehmende Teil deiner Persönlichkeit. Seit die Skepsis Unbeschwertheit und Leichtigkeit verdrängt hat, hast du das Gefühl, dass du auf Zehenspitzen durch die Weltgeschichte schleichst. Immer etwas auf der Hut, stets etwas wackelig auf den Beinen. Aber trotz der Skepsis und Zweifel hast du begonnen etwas Ordnung in das dir allzu vertraute Chaos zu bringen. Völlig verwundert stellst du fest, dass es klappt. Du hast verstaubte Beziehungen eliminiert, hast eine für dich sehr glückliche Entscheidung in punkto Herzensjunge getroffen, hast dir Gedanken über deine Zukunft gemacht, alle Skeptikerstimmen von außerhalb auf stumm gestellt und dich nun tatsächlich für einen recht unkonventionellen, aber befriedigenden Weg entschieden. Alles scheint irgendwie besser; alles ist irgendwie besser.

Wenn du dich am ende des Tages in die Federn schmeißt, wird dir eine Sache ganz deutlich klar – Der Motor der dich in deinem Leben antreibt, ist Wärme. Du brauchst nicht viel um glücklich sein: Familie, Freunde, Geborgenheit und Liebe. Dann ist es auch echt egal welchen Fleck auf der Erde man als sein Zuhause bezeichnet. Wie schön es doch ist, sagen zu können: Heute bist du die Glücksmarie!


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