Generation Beziehungsunfähig? Die Absurdität solcher Verallgemeinerungen

19. Mai 2016

von Kaliopi

Diese ganzen Begriffe, die durch die sozialen Medien geistern, verwirren dich von Zeit zu Zeit: Generation Beziehungsunfähig, offene Beziehungen, Polyamorie, Alltagsangst, oder die Angst sich für etwas zu entscheiden, was man in Fachjargon auch Decidophobie nennt – Die Phobie sich für etwas zu entscheiden. Wahnsinn, dass es sich hierbei um eine tatsächliche krankhafte Furcht handelt.

Deine Generation, die Generation Y, scheint infiziert zu sein. Eine generationsübergreifende Pandemie sozusagen. Wenn man sich lange genug in den sozialen Medien rumtreibt, scheint es, als ob sich jeder Blog und jede Kolumne mit der Thematik der Beziehungsunfähigkeit befasst. Du fragst dich, ob das tatsächlich so ist. Sind wir kompromissloser als die Generationen vor uns? Sind wir Entscheidungsunfreudiger? Gibt es da Statistiken drüber, oder handelt es sich hierbei nur um die Rechtfertigung einiger twenty something/thirty something – Großstadt – Kolumnisten, die sich ihre eigene Unfähigkeit eine Beziehung aufrecht zu erhalten in irgendeiner Weise erklären müssen?

Du weißt nicht ob es Statistiken gibt, du weißt nicht, ob deine Generation unfähiger ist als Generationen davor und du weißt auch nicht, ob all deine Altersgenossen tatsächlich Angst vor Routine und Entscheidungen haben. Was du allerdings weißt ist, dass es dir ganz und gar nicht so geht. Du liebst Abenteuer und Abwechslung und Entscheidungsvielfalt. Du liebst aber auch die selbstausgewählte Routine und deinen eigenen, entzückenden, selbstkreierten Alltag. Du fragst dich, wieso beim Alltagstrott nicht einfach mal vom Alltagsglück die Rede ist. Wieso immer so negativ?  Dieser verhasste Alltagstrott kann wundervoll und angenehm sein. Du liebst diesen Trott, den du dir zusammen mit Ihm erschaffen hast. Euer eigenes gemeinsames Alltagskunstwek, etwas woran ihr zusammen dran arbeitet und bastelt.

Du liebst es morgens neben ihm wach zu werden, um dann für mindestens eine halbe Stunde den Snooze Knopf zu betätigen. Dabei liegt ihr unter der warmen Decke, das Fenster auf Kipp, während ihr kuschelt und die Sonne reinscheint. Du liebst den ersten gemeinsamen Kaffee am morgen und den Kosenamen „Hase“. Du liebst das gemeinsame Kochen am Abend und die verkehrte Rollenverteilung weil du das Schnibbeln übernimmst. Er kann nun mal besser kochen. Du liebst es, dass du dann irgendwann mit dem Schnibbeln durch bist und ihm lieber was aus der Zeitung oder einem Buch vorliest. Du liebst, dass ihr keinen Kabelanschluss besitzt und dafür lieber den ganzen Tag Musik hört. Du liebst es, dass ihr Serienabende den Bars bevorzugt und dass ihr beide Synchronisiertes nicht ausstehen könnt und alles nur in der Originalsprache anschaut. Du liebst die Kuhle unter seinem Arm, in die du perfekt reinpasst, wie ein Puzzelteil. Du liebst die Tatsache, dass er mindestens genau so gerne verreist wie du und dass ihr manchmal Stunden damit verbringt den nächsten Roadtrip zu planen. Du liebst es, dass er immer anfängt zu lachen, wenn ihr euch zankt, weil er dein Gesicht einfach zu niedlich findet, wenn es grimmig dreinschaut. Du liebst es, dass ihr euch manchmal vornehmt so richtig auszugehen und am Ende mit einem Glas Wein  im Wohnzimmer Gesellschaftsspiele spielt. Du liebst die monatlichen Pokerrunden, eure gemeinsam ausgesuchten neuen Matratzen, die sich wie Wolken anfühlen, wenn man drin liegt.

Du liebst jede einzelne Stunde, jede Aussage, jede Situation, alles was routiniert scheint und doch jedes Mal was neues, Freudiges mit sich bringt. Du liebst die Tatsache, dass Routine und Alltag mit ihm Spaß machen, dass du keine Angst vor Entscheidungen hast. Du liebst es, dass du nicht unter Decidophobie leidest und dass du dich ganz klar von dieser Begrifflichkeit der Generation Beziehungsunfähigkeit distanzieren kannst. Denn: Den Schuh möchtest du dir ganz bestimmt nicht anziehen.


4 Kommentare zu “Generation Beziehungsunfähig? Die Absurdität solcher Verallgemeinerungen

  1. phil sagt:

    Danke, bin ich bei dir! Liest sich sehr gut..:)

  2. Daniela sagt:

    Das unterschreibe ich sofort! Ich mag wie du schreibst, werde hier öfters mal vorbeischauen.

  3. Daniela sagt:

    Das unterschreibe ich sofort! Ich mag wie du schreibst, werde hier öfters mal vorbeischauen.

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