Freunde – This will last forever

28. Juli 2015

von Kaliopi

Köln Hbf. Zeitlupenmodus. Du stehst dort, an den Schienen. Der Zug fährt ein. Ich kann dich ganz genau erkennen. Durch die Fenster des ICE. Da stehst du, das dunkelblonde Haar in einem Knoten als Dutt auf dem Kopf, die grünen Augen am Funkeln. Das rote Blumenkleid weht im Sommerwind und du grinst verträumt vor dich hin. Der Zug hält an, ich quetsche mich zwischen das Menschengewusel, stolpere die Treppchen des Zuges hinunter, ziehe mein viel zu schwer gepackten Koffer hinter mir her. Wir sehen uns und vollziehen unser Begrüßungsritual. Wir laufen in gespieltem Zeitlupenmodus aufeinander zu, fallen uns in die Arme und lachen uns schlapp. Die um uns herum stehenden Zuschauer beachten wir gar nicht. Die Tatsache, dass wir uns sehen, ist einfach viel zu schön.

Man sagt, wenn man die sieben Jahres – Grenze überschritten hat, hält eine Freundschaft für immer. Unsere, hat diese Schwelle schon längst überschritten. Das Schicksal hat uns also eine für immer währende Freundschaft garantiert. Was wir sind? Beste Freundinnen. Engste Verbündete. Seelenverwandte. Wir sind Familie. Du bist das Mädchen, welches ich in meiner Jugend kennen- und in den ersten Sekunden lieben lernte. Das Mädchen, das mich an unserem ersten Abend in unserer Kleinstadt dazu aufforderte „die goldene Tür“ mit ihr zu stehlen.

Zusammen haben wir unsere ersten Joints geraucht, haben betrunkene Sommerabende auf Lüdenscheider-Straßen verbracht, wurden von bösartigen Katzen angegriffen, hatten die übelsten Geschmacksverirrungen in Punkto Männer, haben lauthals zu den Eagles Hotel California gegrölt (was wir immer noch sehr gerne tun), sind Nachts in der Talsperre schwimmen gewesen, haben dein erstes Wohnheim in Bochum verflucht, haben einen aufregenden und dramatischen Aufenthalt in Indien erlebt, haben auf der Wiese vor dem Haus deiner Mama, im Regen getanzt, haben Liebestränke und Zaubersprüche kreiert und Mitternachts-Margarithas getrunken, sind in deinem kleinen, wackeligen Corsa, etliche Male nach Holland gefahren, während wir lauthals zu verschiedenen Lieblingsliedern gegrölt haben. Dann zogst du weg. Bamberg, Düsseldorf und nun Köln. Ich bin nach Berlin. Man könnte meinen, das änderte alles. Tat es aber nicht. Wir telefonieren mehrmals die Woche und das nun schon seit Jahren. Du schickst mir regelmäßig verrückte Grimassen die du im Büro übst, erzählst mir aus deinem verrückten Comedyleben und heiterst mich immer auf. Ich besuchte dich als du in New York gelebt hast. Das war eine so wundervolle Zeit.  Berlin kennst du mittlerweile genauso gut wie ich. Deine Besuche sind meine Highlights. Dann laufen wir durch die Gegend, plappern unaufhörlich, ziehen Blicke auf uns durch lautes Gegacker und tränenreiches Gelächter. Wir machen Mädchenkram, essen Eis und schauen uns immer und immer wieder, die Selben Mädchenfilme an.

Eines Tages sind wir wieder vereint. Wir zwei, in einer Stadt. Das ist klar wie Kloßbrühe. Ich sehe uns schon als alte Frauen mit Krückstock. Ich halb taub und sehr vergesslich, du mit runzliger Haut, aber dem selben Funkeln in den Augen. Vielleicht verscheuchen wir ein paar nervige Kinder von unserer Veranda. Vielleicht sitzen wir auf unseren Schaukelstühlen, mit unseren Enkeln auf dem Schoß und erzählen von unserem wilden, fantastischen Leben. Auf uns mein Herz und auf die kommenden Jahre!

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