Ein Plausch mit der wundervollen Natalia von Milia druckt

26. August 2013

von Kaliopi

Hier kommt ein kleines Geständnis: Ich liebe meinen Job! Und diese Konfession bedarf einer simplen, aber dennoch gewichtigen Erklärung – Ich liebe meinen Job, weil ich es liebe, Menschen zu begegnen; Individuen, die mit Leidenschaft und Kreativität dem Leben begegnen und ihr ganzes Herzblut in eine Sache stecken. Ich bilde mir ein, das innere Strahlen eines Menschen zu erkennen, wenn er denn eins hat. Das kann ich, wenn mir besagter Mensch gegenübersteht. Ich spüre das Leuchten aber auch, wenn ich seine hingebungsvolle Arbeit begutachten darf.

Zu diesen „Strahlemenschen“ gehört auch Natalia. Als ich vor einiger Zeit ihren Blog „Milia druckt“ entdeckte, war ich ganz aus dem Häuschen. Natalia gestaltet und druckt nicht nur ihre eigenen Produkte; sie beherrscht auch die Kunst der Kalligrafie, die Fertigkeit des „Schönschreibens“. Eine Kunstform, der meiner Meinung nach, viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Milia druckt – ein Name, den sich die 36jährige Natalia nicht zufällig ausgesucht hat. Kriterien bei der Namensfindung: Zeitlosigkeit und der persönliche Bezug. Die Mutter einer vierjährigen Tochter mit dem bezaubernden Namen Emilia, kam auf die Idee, den Namen ihres Mädchens zu verwenden. Aus Emilia wurde Milia und da Natalias  Kunst hauptsächlich auf der Andruckpresse entsteht, wurde daraus Milia druckt.

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Cale: Liebe Natalia, erzähl uns was über deine Arbeit. Wie bist du zum Buchdruck und zur Kalligrafie gekommen?

Natalia: Seit dem ich denken kann, habe ich leidenschaftlich gerne gezeichnet, gewerkelt und Freunde mit selbstgemachten Produkten beschenkt. Ursprünglich wollte ich Kunst an der Hochschule studieren, wurde aber zur Freude meiner Eltern Lehrerin. Während meiner Schwangerschaft hatte ich einen enormen Nestbautrieb und habe viel gebastelt und genäht; diese kreative Arbeit hatte beinahe schon meditative Ausmaße und so ist es bis heute geblieben – wenn ich in meinem Arbeitszimmer sitze und Karten für Kunden oder meinen Shop gestalte, vergesse ich die Welt um mich herum und würde am liebsten ohne Unterlass Tage und Nächte durcharbeiten!

Auf den Letterpressdruck bin ich das erste Mal vor ca. fünf Jahren gestoßen, als ich mich auf die Suche nach schönen Einladungskarten für unsere Hochzeit begab. Ich wollte unbedingt, dass sie im Letterpressverfahren gedruckt werden, wie es in den USA üblich ist. Das Besondere an dieser Technik ist, dass dabei nicht einfach nur Farbe aufs Papier gebracht wird. Das Motiv wird mit massivem Druck in das Papier geprägt, so dass man die Schrift auch fühlen kann. Also habe ich in endlosen Nachtaktionen wie besessen auf amerikanischen Blogs recherchiert und jedes kleine Detail aufgesogen. Schließlich habe ich hier in Deutschland eine alte Andruckpresse gefunden, was gar nicht so einfach war, da traditionelle Buchdruckkunst seit den 70er Jahren nicht mehr ausgeübt wird und alte Betriebe so gut wie ausgestorben sind. Meine ersten Druckklischees habe ich in den Staaten bestellt, mittlerweile belichte ich diese selber. Im Augenblick drucke ich noch zu Hause, aber ein eigenes Atelier mit Auslage ist mein nächstes Herzensprojekt!

Neben der Leidenschaft für den Buchdruck schlägt mein Herz auch für schöne, geschwungene Handschriften. In den USA ist Handlettering ein weitverbreitetes Phänomen, hier kommt es jetzt auch langsam auf. Ich bin keine ausgebildete Kalligrafin und habe auch nie einen Kurs besucht –professionelle Kalligrafen würden jetzt wahrscheinlich die Hände über den Kopf zusammenschlagen, weil meine Federführung nicht optimal ist, aber ich schwinge die Buchstaben mit Herz und nach Gefühl!

Cale: Wie ist das Gefühl zu merken, dass das eigene Herzensprojekt so viel Anklang findet?

Natalia: Meine Produkte, die ich unter Dawanda online vertreibe (milia.dawanda.com), haben sich dank der vielen deutschen Blogs und Instagram (@millia_druckt) unglaublich schnell verbreitet, so dass ich mich manchmal selber kneifen muss, wenn ich meine Produkte in den Magazinen wiederfinde, wie zuletzt in der MYSELF oder der LIVING AT HOME.

Cale: Gibt es Menschen, die Dich besonders inspirieren?

Natalia: Zu meinen Vorbildern zähle ich natürlich viele große Letterpressmeister aus den Staaten. In Deutschland sind es die Rike von bastisRike, die Sabrina von Smallcaps und Sven Winterstein von Letterjazz, die ich sehr bewundere! Ideen kommen mir oft beim Blättern in Zeitschriften oder wenn ich schlafe. Ich bevorzuge sehr schlichte und zurückhaltende Designs, weil schon allein der Prägedruck so imposant wirkt.

Cale: Wusstest du schon immer, dass du einen kreativen Beruf ausüben wirst?

Natalia: Dieser Wunsch hat schon immer in mir geschlummert – erst nach der Geburt meiner Tochter, hatte ich aber den Mut und die Zeit das Ganze auch umzusetzen! Jetzt ist das Feuer so stark entfach, dass es kein Zurück mehr gibt!

Cale: An welchen Ort wärst du jetzt am liebsten?

Natalia: In einem Landhaus in Südfrankreich mit Familie und Freunden!

Cale: Die schönste Stadt der Welt?

Natalia: Paris (Marais).

Cale: Das schönste Buch?

Natalia: Immer wieder „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk. Und kürzlich ist mir die schmerzvolle Biografie von Petra Schürmann („Und eine Nacht vergeht wie ein Jahr“) in die Hände gefallen – ich habe dicke, alles durchnässende Tränen geweint.

Cale: Der schönste Film?

Natalia: „La vie en rose“ und „Drei Nüsse für Aschenbrödel“.

Cale: Absoluter Lieblingsmoment…

Natalia: … kuscheln mit Emilia!

love_what_you_do

Cale: Sommer oder Winter?

Natalia: Spätsommer – ich liebe die Farben, den Duft nach frischgemähtem Heu und die Melancholie, die in ihm mitschwingt!

Cale: Hund oder Katze?

Natalia: Weder noch – Schmetterlinge!

Cale: High Heels oder Sneakers?

Natalia: High Heels – in mir schlägt das Herz von Carrie Bradshaw.

Cale: Meer oder See?

Natalia: Ein Tag am Meer.

Cale: Club oder Bar?

Natalia: Bar und eine handvoll Freundinnen.

Cale: Garten oder Park?

Natalia: Park – habe leider einen „schwarzen“ Daumen.

Cale: Hip Hop oder Rock?

Natalia: Weder noch! Um Abzuschalten, drehe ich gerne alte Motown HITS auf und dann grooven wir zusammen mir meiner Tochter durchs Wohnzimmer!

Cale: Welches Lied läuft rauf und runter?

Natalia: Zum Arbeiten höre ich gern SADE!

Cale: Der perfekte Tag?

Natalia: Lange Ausschlafe (bin eine absolute Nachteule), mit der Kaffeetasse zu guter Musik ins Arbeitszimmer swingen, mich kreativ austoben, mit Emilia „Puppenmami“ spielen und abends ins Kino oder Theater!

Ach Natalia, während ich mir das Interview noch einmal durchlese, spüre ich wie sehr ich mich mit kreativen Seelen wie dir verbunden fühle. Wir werden deine Arbeit natürlich weiterhin mit Freude verfolgen und freuen uns auf alles was noch kommt!


2 Kommentare zu “Ein Plausch mit der wundervollen Natalia von Milia druckt

  1. Céline sagt:

    Welch schöner Post!

  2. Tammy sagt:

    Ein wunderbares Interview, macht Natalia nur noch sympathischer!

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