Drei Monate Lonny-Liebe

17. Juli 2017

von Kaliopi

Alle sagen dir, dass die Zeit fliegt, als frisch gebackene Mama. Niemand sagt dir aber, dass Sie, die tückische Zeit, im selben Atemzug nur gemächlich, ja fast schon nerv tötend- schleichend an besagter Neu Mama paradiert. Mein größter Konflikt in den ersten Wochen meiner neuen Lebensaufgabe, war tatsächlich der Faktor Zeit. Einerseits konnte ich es kaum erwarten, dass mein kleines Wunder endlich etwas weniger fragil in meinen bebenden Armen liegen würde (niemand erzählt einem von diesen verdammten Fontanellen und ich schwöre ich wusste nicht, dass Baby-Köpfe mit dem eines Wackel-Dackels vergleichbar sind). Die ersten Nächte lag ich angsterfüllt, einer mittelschweren Panikattacke zusteuernd, neben diesem kleinen Wesen, jeden Atemzug lauschend, nicht in der Lage die Augen auch nur für eine Minute zu schließen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Diese fortwährende Lähmung, diese nie gekannte Furchtsamkeit, die Angst als andauernder Begleiter, der mir ununterbrochen zuflüsterte, dass diesem kleinen Minimenschen etwas passieren könnte. Ich dachte in den ersten Wochen, die Angst würde mich um den Verstand bringen. Ich wollte jede Sekunde aufsaugen, jede Minute genießen, ihre kleinen, winzigen Hände stundenlang betrachten ohne fürchterliche Szenarien vor meinem geistigen Auge abzuspielen. Ja, die Zeit kroch dahin bis ich eines Tages wach wurde, meine kleine Herzdame den Kopf von alleine halten konnte, unentwegt lachte und spielte und nur noch weinte, wenn sie hungrig war. Dieser Tag glich einem Befreiungsschlag und ich spürte, wie ich langsam aber sicher meine Ängste bezüglich meines eventuellen Versagens als Mutter, abstreifte. Auf einmal bekam die Zeit ein neues fast schon eiliges Antlitz, sie kroch nicht mehr zähflüssig, sondern raste im Schnellstreckenmodus an mir und das einstige Neugeborene, war nun ein gutgenährtes, fröhliches Baby.

Fünfzehn Wochen sind vergangen. Meine neurotischen Anfälle haben sich nicht vollkommen verflüchtigt, sie sind aber deutlich in den Hintergrund getreten. Eine weise Mehrfachmama sagte neulich zu mir, dass man lernt mit den Ängsten zu leben, auch wenn diese mit dem Eintreffen des neuen Erdenbürgers nie ganz verschwinden. Die Zeit ist wirklich ein Paradox, Freunde; zu schnell, zu langsam und alles gleichzeitig.

Also sitze ich hier und versuche nun 15 Wochen in einen Beitrag unterzubringen. Wenn alles gut geht habe ich genau eine Stunde Zeit, bis meine kleine Lonny ihr Nickerchen unterbricht und ihren Hungerzustand kundtut. Denn genau so läuft es zurzeit ab. Alles dreht sich um den fröhlichen Zwerg. Unser Tagesablauf ist genau durchstrukturiert zumindest dann, wenn ich noch andere Dinge erledigen möchte.

Viele Themen habe ich während der Schwangerschaft sehr locker betrachtet, andere wiederum viel zu engstirnig. Ich habe mir mal Gedanken gemacht, was wir alles für unsere Kleine gebraucht haben und was wir uns hätten sparen können. Im Folgenden habe ich einige Punkte zusammengesucht, die für die Anfangszeit nach der Geburt wichtig waren.

Hilfe von der Familie

Ich möchte direkt mit den für mich wichtigsten Punkt beginnen; meine lehrreichste Lektion seit der Geburt von Lonny, um genau zu sein. Ich war während meiner Schwangerschaft wirklich sehr überheblich, was manche Denkweisen anging. Wenn die Geburt erst Mal überstanden sei, dachte ich, würde alles andere von alleine passieren, kinderleicht sozusagen. Dass dann erst die richtig schwierigen Aufgaben und Lektionen beginnen, wollte und konnte ich nicht sehen. Wir reden hier schließlich von dreißig Jahren unabhängiges Ichbezogenes Leben. Wie es ist, für ein anderes Lebewesen verantwortlich zu sein, war einfach nicht greifbar. Umso erstaunter war ich, als ich feststellte, dass man in der Welt der Neu Mamas, auf jede Hilfe angewiesen ist.

Ich habe einen fantastischen Gatten, der allerdings sehr viel Verantwortung in seinem Job trägt und effektiv nur eine Woche zu Hause bleiben konnte. Folgendes Szenario spielte sich also nach Ablauf dieser Woche ab: Ich werde wach, immer noch von den Hormonen völlig übermannt, an die Situation gewöhnend, dass da jemand ist, der mich jede Sekunde braucht. Mich überkommt ein neuaufkeimendes Gefühl der Ohnmacht. Wie schaffe ich das? Alleine? Ich bin eine schlechte Mutter, wenn meine Instinkte mir nicht sofort sagen, was zu tun ist.

Die Instinkte wollen sich aber anscheinend nicht einmischen und lassen mich und meine unentwegt aufkeimenden Unsicherheiten völlig unvorbereitet im Regen stehen. Ich höre also wie mein Mann schweren Herzens die Tür hinter sich zu zieht, mein Baby in meinem Arm zu weinen beginnt und ich total überfordert miteinstimme. Lange Rede, kurzer Sinn, spätestens in dem Moment wird mir klar, dass niemand die ersten Wochen alleine meistern sollte, vor allem wenn sich die Familie nur einige Minuten Fußmarsch voneinander entfernt befindet.

Meine wichtigsten Verbündeten in den ersten Wochen waren meine Mutter und meine Schwiegermutter. Meine Mutter, die jeden Vormittag, seit der Geburt von Lonny mit mir zusammen das kleine Wesen umsorgt, die immer da ist, die mir Lonny für zwei, drei Stunden abnimmt, damit ich wahlweise etwa schlafe, aufräume, Erledigungen mache, lese oder einfach in die Luft starre. Meine Schwiegermutter, die viele Nachmittage übernommen hat, damit ich mal zum Sport kann, meine Freunde auch mal ohne Anhang besuche oder auch hier wahlweise einfach in die Luft starren kann. Mein Papa, der mehr als nur ein Mal, gesundes Essen gekocht hat, weil ich einfach nicht dazu komme vernünftig zu kochen und zu essen. Ja, die Familie war und ist mein wichtigster Anker. Zu sehen wie alle Lonny mit Liebe überhäufen und uns als frischgebackene Familie in jeglicher Form unterstützen, ist einfach rührend und wundervoll. Jeden Morgen, wenn ich die Kleine einpacke, die zwei Minuten zu meiner Mama fahre, sie mir mit ihrem strahlenden Gesicht die Tür öffnet und sagt „Lass uns erst Mal einen Kaffee trinken“, könnte ich vor Glückseligkeit losheulen. Mein Rat für jede Neu Mama, kurz in drei Sätzen zusammengefasst: Nehmt Hilfe von Familie und Freunden an, denn ihr werdet sie brauchen. Ihr braucht euch weder dafür zu schämen, dass ihr nicht alles alleine hinkriegt noch solltet ihr so wie ich, denken, dass alles super easy im Alleingang zu meistern ist. Klar, man schafft auch alles irgendwie ohne Hilfe, aber will man das? Schließlich wollen wir die kleinen neuen Erdenbürger stressfrei und glücklich in das Leben einführen und dazu gehören sie alle dazu: Mama, Papa, Oma, Opa, Verwandtschaft und Freunde!

Das Kinderzimmer

Ich habe mich ja während der Schwangerschaft völlig verrückt gemacht, weil ich dachte ich muss dieses blöde Kinderzimmer bis zur Perfektion fertigbekommen. Ich habe in Onlineshops gestöbert, andere Mamas ausgefragt, habe mir diverse Instagram Profile angeschaut und andere Kinderzimmer bestaunt, habe bestellt, gebastelt zusammengestellt und letztendlich dieses Kinderzimmer endlich aus dem Boden gestampft. Tja und nun? Ich kann euch sagen, dass ich das auch getrost alles innerhalb des ersten Babyjahres in Ruhe hätte machen können. Wichtig war die Wickelkommode mit den dazugehörigen Utensilien. Unnötig war das Bett, da Lonny bei uns im Bett schläft, die Vorhänge, da sie ja eh nur in unserem Schlafzimmer schläft, das Stillsofa, da ich nachts nicht aufstehe um sie zu stillen, sondern sie einfach zu mir ziehen kann, diverse Klamotten, die wir im totalen Überfluss nach ihrer Geburt geschenkt bekommen haben, Spielzeug, Kuscheltiere und und und…Am Ende des Tages hätte die Wickelkommode völlig ausgereicht. Was ich anders machen würde? Ich würde mir nicht mehr diese ganzen Blogs und YouTube Kanäle anschauen, wo die Damen Unmengen an Babyartikeln gesponsert kriegen und diese über das Medium Blog oder YouTube als wichtig verkaufen. Liebe Mamas, vergewissert euch, dass diese Blogs authentisch sind und dass es sich bei den Artikeln nicht nur um Werbung handelt. Ich habe auch schon das eine oder andere gesponsert bekommen, aber ich stelle wirklich nur das vor, was ich wirklich für gut befinde.

Bodies, Spucktücher und andere nützliche Stoffe

Unterschätzt die Körperflüssigkeiten der kleinen Menschlein nicht. Lonny ist eine sehr gute Esserin. Dementsprechend viel Stuhlgang hat sie auch. Die „Explosionen“ haben es echt in sich, Bodies werden mehrmals am Tag gewechselt und auch das Bäuerchen bleibt nicht aus. Die Waschmaschine ist in Dauerbenutzung und ich habe den Eindruck, dass sich das erst Mal nicht ändern wird. Hier eine kleine Auflistung der Klamotten, die ich in den ersten drei Monaten gebraucht habe:

  1.    5-8 Bodies in größe 50. (Langärmlig in den ersten Wochen, danach je nach Jahreszeit kurz oder lang.)
  2.    5-8 Bodies in Größe 56.
  3.    5-8 Bodies in Größe 62. (Die kleine Maus wächst so so schnell. Sind schon fast bei Größe 68 angelangt.)
  4.    Aktuell besitzen wir 20 Spucktücher.
  5.    4-6 Mützen.
  6.    5-10 Paar Socken.
  7.    3-4 Strumpfhosen
  8.    3 Schlafsäcke (Je nach Temperaturen. Wir haben einen eher winterlichen, einen aus Wolle und einen aus einem sehr angenehmen Leinenstoff, der sich          perfekt für die warmen Temperaturen eignet.)
  9.    Decken! Wir besitzen 4 schöne Decken, wahlweise für den Transport im Maxi Cosi und im Kinderwagen.
  10.    Tragehilfen! Wir besitzen ein Tuch und eine Tragetasche und beides hat sich als überaus praktisch erwiesen.

 

Der Föhn, Louis Armstrong und Ella Fitzgerald

Freunde, Babys können so unterhaltsam und lustig sein. Als ich nahezu am verzweifeln war, weil unsere kleine Lonny ihr Stimmorgan in Form von Schreien getestet hat, zeigte mir meine Hebamme den weltbesten Trick ever: Den Föhn! Nichts beruhigt den kleinen Schreihals mehr als der Föhn. Der Föhn war in den ersten Wochen mein bester Freund, wirklich kein Scherz. Ich kann diese Methode der Beruhigung wirklich weiterempfehlen.

Ein weiteres sehr erfolgreiches Mittel haben wir vor einigen Wochen zufällig herausgefunden. Der Patenonkel aus Amerika war zu Besuch da und hat seine Playlist rauf und runter gespielt. Ein Lied hat es Lonny besonders angetan: Louis Armstrong und Ella Fitzgerald – Summertime. Jedes Mal, wenn das Lied anfängt, wenn die Trompeten einsetzen, wird unsere Lonny ganz aufmerksam, hört auf zu weinen und lauscht fast schon ehrfürchtig den Klängen vom guten Louis und der bezaubernden Ella.

Meine Hebamme, mein Engel.

Und auch diesen Punkt habe ich während der Schwangerschaft unterschätzt. Neben meiner Familie hat mir meine Hebamme einfach nur beispiellos toll zur Seite gestanden; gut Zureden, Zustände für normal erklärt, die mir schreckliche Angst gemacht haben, Ideen und Lösungsvorschläge für jedes noch so kleine Wehwehchen. Sie hat mir gezeigt, wie ich richtig stille, weil das auf der Station im Krankenhaus leider nicht gemacht wurde, sie war dabei als ich meine kleine Lonny das erste Mal gebadet habe und ist mit mir jede noch so alltägliche „Kleinigkeit“ durchgegangen. Ich konnte sie alles fragen und ich habe ihre Dienste 12 Wochen in Anspruch genommen. Ich denke, dass es für eine schwangere Frau und frischgebackene Mama, neben Familie und Freunden, kaum eine wichtigere Person gibt. In diesem Sinne, ein Hoch auf die Hebammen. Danke, Vilma!


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