Der richtige Zeitpunkt und die Sache mit der überraschenden Schwangerschaft

11. Oktober 2016

von Kaliopi

Ich bin schwanger. Nun ist es raus und ich habe einige Wochen gebraucht, um die Bedeutung der einzelnen Worte und den Sinn des einhergehenden Satzes zu begreifen. Schwanger. Ich. Jetzt. Was bedeutet das? Passt der Zeitpunkt? Und, und, und. Alles Fragen, die sich jede Frau stellt, die das Thema Schwangerschaft nicht zwangsweise auf ihrer ToDo Liste notiert hatte. Zumindest nicht jetzt. Wo wir dann auch bei dem Thema „Der richtige Zeitpunkt“ wären. Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Ich habe diesen Satz schon mehrfach gelesen und gehört. Ist man nicht selber in der Situation, so bedeutet er so ziemlich gar nichts kann ich euch sagen. Dieser Satz ist ein gut gemeinter, automatisierter Satz, den man seiner schwangeren, in Tränen aufgelösten Freundin zuflüstert, um ihr Trost zu spenden und ihr mitzuteilen, dass alles gut wird. Ein automatisierter Satz, wie die Antwort auf die Frage „Wie geht’s dir?“, „Ganz gut“. Nicht nachgedacht. Geantwortet.

Ist Frau nun unerwartet schwanger bekommt dieser Satz plötzlich eine Bedeutung und mit ihr bricht eine Lawine an zusätzlichen Fragen über Sie ein. Die Frage der Finanzierung, die Frage, wie man sein Leben mit dem eines kleinen hilflosen Wesens vereinbart, die Frage ob man überhaupt in der Lage ist es zu einem vernünftigen Menschenwesen aufzuziehen, wo man doch selber das Gefühl hat zwischen Pubertät und Mitzwanzigerkrise festzuhängen. Und was ist mit dieser angsteinflößenden, traumatischen Geburt von der alle reden, die dann aber, nach der hoffentlich guten Anreise des kleinen Wurms, von den meisten Frau gut verdrängt wird. Und was ist mit den „nicht meisten Frauen“ die nicht gut im Verdrängen sind??

Ihr merkt, mein etwas zu analytischer Kopf hat in den ersten Wochen nach der frohen Botschaft gequalmt und rotiert. Was aber mit der Zeit geschah war folgendes: So ein analytisches Gehirn denkt nicht nur in eine Richtung. Zwar werden zu Beginn alle denkbar möglichen Horrorszenarien durchgekaut, wenn aber besagte Horrorszenarien vernünftig auseinandergenommen wurden, stellen sich früher oder später die positiven Gedanken ein. Der Zeitpunkt ist nämlich ehrlich gesagt scheißegal, wenn man einen Partner an seiner Seite hat, dessen erste Reaktion ein strahlendes Lächeln und ein vollkommen glückseliger Ausdruck im Gesicht ist. Es ist egal, wenn die Eltern vor Freude weinen, der Bruder sich aufs Onkel werden freut und die Freunde einen unterstützen. Die Ängste sind zwar unterschwellig noch da, aber sie sind nicht wirklich belastend. Sie gehören dazu, denn jede Herausforderung und alles, was uns neu und fremd erscheint, birgt versteckte Ängste. Wichtig ist doch nur, dass wir die Ängste akzeptieren bis sie sich dann unbemerkbar verflüchtigen und Raum für Freude hinterlassen.


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