3 is ne Party – Oder Servus Fettes Brot!

13. November 2013

von Lea

Manchmal, da haben wir so richtig Bock auf eine Sache. Dann kommt sie uns in den Sinn und dann können wir so lange nicht mehr stillsitzen, bis wir sie erledigt haben. Den Haken hinter dem ‘To do‘ braucht man dann so dringend für die innere Befriedigung, dass schon alles kribbelt, wenn man ihn dann endlich setzen darf. Und wenn dann während des Durchführens besagter Aktion auch noch die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann man sich als dankbarer Mensch eigentlich nur noch gnädig vor dem Universum verneigen. Haben wir nach unserem Treffen mit Fettes Brot dann auch gemacht. Zu Recht, wie wir finden.

Reisen wir gedanklich aber zunächst einmal zurück in das Jahr 1995, in dem ich mit zerrissenen 501 Jeans, Fruit of the Loom Kapuzenpulli und gekreppten Haaren zum ersten Mal die Beats des deutschen Raps in mein Herz gelassen habe. 3 Jungs aus dem Norden haben mich mit ihren Klängen damals so dermaßen in ihren Bann gezogen, dass ich von dann an beschloss, nie wieder etwas anderes hören zu wollen. So sollte es auch sein. Bis 1996 lief Nordisch by nature hoch und runter. Und hoch und runter. Und plötzlich kam JEIN und wurde ganz ungefragt zur Legende meiner Jugend. Und meiner Zwanziger. Erst neulich haben wir es zu später Stunde auf einer Hochzeit gegrölt, so richtig aus voller Brust. Verschwitzt, aber glücklich. Lauthals, weil es jeder kennt und jeder liebt. Weil es einfach verbindet. Und manchmal lag ich nachts wach und hab König Boris beim Floskeln über Spiderman zugehört. Wer braucht schön Hörbücher, wenn er stattdessen auch den Menschen aus dem Norden lauschen kann? Ich in jedem Fall nicht.

Gedankensprung: Zurück ins Heute. Die Sonne scheint und wir sind zum Kaffee mit König BorisDr. Renz und Schiffmeister verabredet. Aufgeregt? Yes, volle Kanne. Trotzdem irgendwie auch gelassen dabei. Denn wenn uns ihre Lieder etwas verraten, dann, dass man sich mit den Jungs auf der guten Seite des Lebens bewegt. Sorgen kann man sich also später noch.Gut gesättigt dank Mustafas Gemüsedöner, sitzen sie uns also gegenüber. Bereit, jede Frage zu beantworten, mit offenem Blick und richtig viel Elan.

3 is ne Party - das ist nicht nur das Motto des neuen Albums, das scheint auch stilles Motto der drei Bandmitglieder zu sein. Die arbeiten nämlich nicht nur seit 21 Jahren zusammen, die sind auch ganz offensichtlich richtig gute Freunde. Eingespielt, ein Team ebenLoyalität ist hier das Stichwort, da sind sie sich alle einig und wer das nicht begriffen hat, wird zwischenmenschlich und beruflich sicher niemals Ähnliches erfahren. Vielleicht ist das das Geheimrezept ihres Erfolgs, vielleicht ist es auch die Tatsache, dass sie sich niemals richtig Sorgen gemacht haben. Leichtigkeit hat ja schon dem Ein oder Anderen zum Sieg verholfen. “Irgendwie nahm damals einfach alles seinen Lauf”, erzählen sie uns, und das Einzige, worüber sie sich auch noch heute manchmal sorgen, ist die Sache mit der Berechtigung. Die Frage, ab wann man eigentlich wirklich Musiker ist, ab wann man sich wichtig genug nimmt, um sich selbst als solchen zu bezeichnen. Wenn sich die ersten Erfolge einstellen, möchte man jetzt sicher antworten. Die Jungs sind sich aber einig, dass auch das nicht wirklich hilft. Hin und wieder fühlen sie sich auch heute noch wie Hochstapler, erzählen sie uns im Halbgrinsen, und eigentlich warten sie nur darauf, bis man sie endlich entlarvt. Wenn sie sich also nicht selbst die Berechtigung geben würden, Musiker zu sein und an sich glaubten (auch wenn sie keine Musikausbildung haben), dann würden sie sich viel zu abhängig von der Meinung anderer machen. Und das wiederum wäre völlig kontraproduktiv in Sachen Leichtigkeit.

Trotzdem sind auch so alte Hasen des Business wie Fettes Brot noch richtig aufgeregt, wenn ein neues Album rauskommt. Da machen sie auch gar kein Geheimnis draus. Inzwischen sind die drei ‘Jungs’ aber nicht mehr Mädchen- , sondern Frauenschwärme geworden und nicht zuletzt ihre Familiensituation sorgt dafür, dass sich die Vermarktung dieser Platte ein wenig anders gestaltet als sonst. Dr Renz (inzwischen ergraut, aber charmant wie eh und je) erzählt uns, dass nebenan die Kinder schliefen, während er an den Songs gearbeitet hat. Die Prioritäten haben sich in den letzten Jahren ein wenig verschoben, trotzdem ist klar: 3 is ne Party, 3 bleibt eine Party und unsere Gemüter dürfen sich auch in Zukunft noch auf ein bisschen fröhlichen Rap aus dem Norden freuen.

Jeder in dem Trio hat seine ganz eigene Rolle und bei jedem Satz merkt man, dass diese so nichts, aber auch wirklich nichts mit irgendwelchen Vermarktungsstrategien zu tun hat. König Boris ist der Ruhepol der Bande, Schiffmeister wirkt ein bisschen wie der, der die Dinge vorantreibt und Dr. Renz punktet mit ganz viel Charme und Sympathie. Könnte gut sein, dass er die Gruppe so gut zusammenhält. Wichtigster Ratschlag ans uns: “Versucht erst gar nicht, allen gefallen zu wollen. Das wird euch niemals gelingen. Dabei gehen außerdem nur viel Mut und Kraft verloren, die ihr besser nutzen könntet! Zum Beispiel beim Schreiben über coole Leute!” Recht haben sie, die Drei. Und einen gut gemeinten Tipp von Fettes Brot lass ich mir echt nicht zweimal sagen.

21 Jahre Erfahrung, große Erfolge, viele Erlebnisse, ein eigenes Plattenlabel und trotzdem kichern sie noch wie die Jungs mit den Flausen im Kopf von früher, wenn sie sich über die Frage: “Was müsste Eurer Meinung nach noch erfunden werden” diskutieren. Wir überlegen hin und her, was gut sein könnte, was wirklich Sinn machen würde und landen am Ende bei einem “Wurst- bzw. Essensdoppeler”. Allein die Entstehung dieser Idee hat den Dreien so viel Sympathiepunkte verpasst, dass sie die wohl nie wieder loswerden können. Sich mal nicht so wichtig zu nehmen, ist eine wunderbare Eigenschaft, die wir uns alle mal von den Broten abschauen sollten. Dann wäre das Leben wahrscheinlich auch viel öfter mal eine Party.

P.S. Am 21. November findet die Urbanology & Mit Vergnügen pres. Chapter V Party im Prince Charles statt. Special Guests: Fettes Brot für 3 EUR!!
 
P.P.S. Das Lieblingslied der Drei ist Schwule Mädchen!
 
P.P.P.S. Wären die Jungs nicht auf dem Foto, wir würden es niemals veröffentlichen. Man möge uns unsere Blicke verzeihen. 

 


Ein Kommentar zu “3 is ne Party – Oder Servus Fettes Brot!

  1. [...] Das Cale Magazin hat Fettes Brot in Berlin getroffen und sich mit ihnen über das neue Album unterhalten. Artikel lesen. [...]

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